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beginn des Kleefse Waard

Um der wachsenden Nachfrage nach Kunstseide gerecht zu werden, wurde 1941 im Auftrag der Allgemeinen Kunstseide Union (AKU) – vormals Enka – eine Strohzellulose- und Zellfaserfabrik für die Bekleidungsindustrie gebaut. Als Standort wurde Arnhem und im Speziellen der Kleefse Waard gewählt, der zum historischen Herzogtums Kleve gehörte und 1816 den Niederlanden angegliedert wurde.

Ir. A.J. Engel, der spätere Generaldirektor, wurde beauftragt, hier eine moderne und effiziente Fabrik zu bauen. Diese sollte nach dem Krieg zum Wachstum der AKU und der niederländischen Wirtschaft beitragen.

Kriegsjahre und Kaffee

In den Anfangsjahren arbeiteten im Kleefse Waard nicht weniger als zweitausend Menschen. Die Deutschen betrachteten das Projekt als einen wertvollen Ersatz für die weggefallenen Woll- und Baumwollimporte und die Produktion wurde während des Krieges zunächst fortgesetzt.

Im Herbst 1944 wurden schließlich alle Betriebe stillgelegt. Nur das Elektrizitätswerk durfte in Betrieb bleiben; dieses lieferte inzwischen auch Strom an Arnhem und Umgebung, weil die Versorgung aus Nijmegen völlig zum Erliegen kam.

Nach dem Krieg wurde die Produktion wieder aufgenommen und es folgten rasch mehrere Erweiterungen, wie eine Topfspinnerei für Reifenrayon. Die Nachfrage nach Autoreifen nahm damals enorm zu und Rayon verdrängte Baumwolle stets mehr als Rohstoff.

Ein weiterer Meilenstein war die Einführung der ersten beiden Kaffeemaschinen im Kleefse Waard im August 1961: in der Testgarnspinnerei und in der Reifenrayonverarbeitung-Nord. „Es gab ein bemerkenswertes Interesse an Schokolade“, ist im Buch Kleefse Waard Goud Waard zu lesen.

Erstes Umweltbewusstsein

1969 schlossen sich die AKU und die Königliche Salz Organon (KZO) zum AKZO-Konzern zusammen, womit das charakteristische rote AKU-Markenzeichen verschwand.

Einige Jahre später wurden in der Firmenzeitschrift „Spindop“ zum ersten Mal die negativen Nebenwirkungen des Spinnen von Rayon beschrieben. Zu Beginn lag der Schwerpunkt vor allem auf der Geruchsbelästigung, später kamen die Auswirkungen auf Boden und Wasser hinzu.

Ab 1971 wurden Umweltthemen regelmäßig behandelt. Zum Beispiel wurde das Energiesparen mittels Mitarbeiterkampagnen, wie „Energie-Idee? Komm her damit!“, propagiert.

Nach Marktuntersuchungen 1975 im Zusammenhang mit der anhaltenden Umsatzstagnation kündigte der Vorstand eine Unternehmenssanierung an. Letztendlich arbeiteten 1979 noch 1.277 Menschen auf dem Gelände. Nach Jahren der roten Zahlen wurde am Ende doch wieder ein bescheidener Gewinn erzielt.

Modernster Betrieb weltweit

Auf dem Gelände, das sich immer mehr zum Motor der Region entwickelte, wurden verschiedene Materialien und Produkte erfolgreich entwickelt, wie Colbond, Colback und das Enka-Tuch. Der Kleefse Waard wurde sogar der modernste Reifenrayonbetrieb der Welt mit einer automatisierten Viscosefabrik im Wert von 12 Millionen Gulden, mit der 50 Arbeitsplätze und 4 Schichtdienste eingespart wurden.

Rund um das 50-jährige Jubiläum spielte Kommunikation eine zentrale Rolle: der Dialog mit Behörden und dem Fachverband über die Rolle der Industrie im städtischen Raum und der Dialog mit den Mitarbeitern und Lieferanten. Damals wurde bereits ein Tag der offenen Türe organisiert und es wurde mehr und mehr auf Offenheit und Gastfreundschaft geachtet. So erhielten 600 Mittelschüler und Gymnasiasten die Möglichkeit, ihr Wissen hier zu vertiefen.

Genau wie heute waren Führungen sehr gefragt. Das fing bereits 1947 an, als regelmäßig Exkursionen am Samstagnachmittag stattfanden. Unter anderem das Königliche Institut für Ingenieure besuchte das Gelände mit einer elektrischen Diesellok, die auf den Gleisen direkt vor dem Bürogebäude anhielt.

Der ehemalige Leiter der Kommunikationsabteilung von Akzo Fibers schrieb: „Würde man alle Ansuchen erfüllen wollen, müsste der Kleefse Waard über ein komplettes Team von Referenten und Betreuern verfügen.“ Auch damals fand man, dass ein Standardprogramm jedoch zu kurz greift, und entschied man sich, speziellen Gruppen aus dem In- und Ausland eine maßgeschneiderte Führung anzubieten.

Umstrukturierung und Dezentralisierung

Die Neunzigerjahre standen vor allem im Zeichen der Umstrukturierung und Dezentralisierung. 1994 übernahm AKZO die schwedische Firma Nobel und die daraus hervorgegangene AkzoNobel kaufte vier Jahre später die britische Courtaulds. Der Name des Konzerns wurde in ACORDIS geändert und die verschiedenen Geschäftsbereiche wurden getrennt und erhielten einen eigenen Namen. So entstanden unter anderem Colbond, das später von Low&Bonar übernommen wurde, und Twaron, das später an die japanische Firma Teijin verkauft wurde.

1996 wurde die einst so wichtige Rayonfabrik für Autoreifengaren (Cordenka) geschlossen. Die Zahl der Arbeitnehmer im Kleefse Waard ging immer weiter zurück und die starke Verschmutzung – insbesondere die Kohlenstoff-, Schwefelwasserstoff- und Geruchsemissionen – rückte immer mehr in den Blickpunkt. Schließlich beschloss ACORDIS das Gelände mit den niedergelassenen Unternehmen zu verkaufen – zumeist Unternehmen, die sich von AKZO abgespaltet hatten.

Nachhaltigkeit und Innovation wieder im Mittelpunkt

2003 wurde das Industriegelände von AkzoNobel gekauft, um es gemeinsam mit der Gemeinde Arnhem in einen attraktiven Wirtschaftsstandort umzuwandeln.

Als erster Schritt wurden die historischen Gebäude und die ursprüngliche Straßenanordnung saniert. Der nächste Schritt war es, die ansässigen Unternehmen miteinander in Kontakt zu bringen und für die Ansiedlung und Integration neuer Unternehmen zu sorgen. Schritt für Schritt wurde die Community immer größer, nicht nur durch große Technikunternehmen, sondern auch durch Start-ups, Bildungseinrichtungen und Designer.

Auch wurde wiederum viel in die Kommunikation und weitere Öffnung des Parks investiert, um auf die Attraktivität und die hier stattfindenden Innovationen aufmerksam zu machen. Durch die größere Sichtbarkeit änderte sich das inzwischen längst überholte Image eines verschmutzten Industriegeländes in das eines anerkannten Hotspots für Nachhaltigkeit, Innovation und Unternehmergeist.

Pionierarbeit

Der Standortleiter W.K. Raes fasste 1993 die Geschichte und Zukunft des Geländes anlässlich des 50-jährigen Jubiläums treffend zusammen: „Es brauchte Pionierarbeit. Was Sie auf unserem Standort sehen, ist das Ergebnis kreativen Unternehmertums sowie der harten und unermüdlichen Arbeit vieler Menschen. Die Arbeit an Produkten und Dienstleistungen, an Verbesserungen und Neuerungen hört nie auf. Wenn es an uns liegt, bleibt Akzo Kleefse Waard, was er immer war: ein Standort mit Zukunft.“