Nachhaltige Renovierung des LB-Gebäudes

Industriepark Kleefse Waard hat vor, das LB-Gebäude im Industriepark nachhaltig zu renovieren. Das Gebäude hat fast 9.500 m2 BGF, die über vier Stockwerke und eine Höhe von gut 20 m verteilt sind.

Das Gebäude hat eine veraltete Heizungsanlage und die Fenster einschließlich Rahmen müssen ausgetauscht werden. IPKW will das LB-Gebäude anpassen, um verschiedene Unternehmen aus dem Sektor EUT (Energie- und Umwelttechnik) und anverwandten Branchen dort unterbringen zu können.

IPKW möchte aus dem LB-Gebäude ein möglichst nachhaltiges, bevorzugt energieneutrales Gebäude machen, wobei die Energiebilanz im Verlauf eines Jahres null sein soll. „Grauer Strom“ darf eingekauft werden, muss allerdings vollständig durch eigene Erzeugung nachhaltiger Energie kompensiert werden. Daher ist es wichtig, den Energiebedarf optimal zu senken, damit möglichst wenig nachhaltige Energie erzeugt zu werden braucht. Das drückt sich im dazu verwendeten Trias-Energetica-Modell aus.

Trias Energetica 

Die Methodologie der Trias Energetica gründet darauf: je niedriger der Energieverbrauch des Gebäudes ist, desto leichter sich die Energieneutralität erreichen lässt. Daraus ergibt sich die Bedeutung einer guten Einbettung von Einsparungsmaßnahmen und nachhaltiger Energie von Anfang an, also ab Entwurfsprozess und Integralmethode.

1. Zuerst muss der Energieverbrauch so weit wie möglich gesenkt werden. Daher sollte darauf geachtet werden, möglichst wenig zu verbrauchen, damit nicht zu viel erzeugt werden muss (beispielsweise: aufgrund der Entscheidung für eine sonnenorientierte Baumethode und der Verwendung einer guten Isolierung kann der Energieverbrauch für Heizung und Kühlung deutlich gesenkt werden.)

2. Der restliche Energieverbrauch des Gebäudes soll danach möglichst mit nachhaltigen Quellen erzeugt werden. (Beispielsweise: durch die Verwendung von Solarzellen und/oder Nutzung lokal vorhandener Rest- oder Erdwärme kombiniert mit einer Niedrigtemperaturheizung kann die Energie aus lokal vorhandenen Quellen effizient umgewandelt werden, um den Energiebedarf zu decken.)

3. Wenn die restliche Energienachfrage nicht nachhaltig beantwortet werden kann und daher fossile Energie eingesetzt werden muss, soll dies möglichst effizient geschehen. (Beispielsweise: durch Nutzung von Technik, die Energie effizient umwandeln kann, wie ein Brennwertkessel oder eine effiziente WKK-Anlage.)

 

OSDIT-Modell

Um die gewünschte Nachhaltigkeit des Gebäudes zu erhalten, macht man sich einige spezifische Merkmale des Gebäudes zunutze. Das geschieht mithilfe des sogenannten OSDIT-Modells.

O = Umgebung (ndl. Omgeving)

Das Gebäude hat eine derart günstige Lage, dass man Sonnenwärme und den Rhein nutzen kann. Es wird untersucht, wie die Nutzung von (passiver) Sonnenenergie für die Erwärmung und die optimale Tageslichtnutzung möglich ist. Eine innovative Klimafassadenkonstruktion kann mithilfe von Wärmerückgewinnung in einem Luftbehandlungsschrank über Gebläseluft zur Gebäudeheizung verwendet werden. Es wird geprüft, ob Wasser aus dem Rhein als relativ stabile Quelle zur Kühlung im Sommer und Heizung im Winter genutzt werden kann.

S = Schale

Der Wärmeverlust bezüglich der Gebäudeschale wird u.a. durch eine gute Isolierung und hochwertige Verglasungssysteme beschränkt.

D = Träger (ndl. drager) oder Gebäudekonstruktion

Es ist von einer massiven Gebäudekonstruktion aus Beton die Rede, die eine relativ stabile Temperatur hält, die als Puffer, beispielsweise als Kühlung im Sommer und als Heizung im Winter genutzt werden kann.

I = Einbauwände (ndl. inbouwwanden)

Einbauwände können zur optimalen Verteilung von Kühlung und Heizung verwendet werden.

T = Technik

Es geht darum, technische Systeme zu nutzen, die zum schweren (Massen-) Charakter des Gebäudes passen. Es werden intelligente Systeme verwendet, die wenig bis gar keine Energie verbrauchen. Das vorgeschlagene Luftbehandlungssystem braucht, außer Pumpen- und Ventilatorenenergie, keine zusätzliche Heizung oder Kühlung, für die Brennstoffe oder elektrische Energie nötig wären. Außerdem werden möglichst viele Systeme verwendet, die einen einfachen Wandel zur Nutzung elektrischer Energie ermöglichen. Aufgrund der Niedertemperatursysteme verläuft hier der Einsatz von Wärmepumpen äußerst effizient.

Nachdem der Energieverbrauch optimal gesenkt wurde, kann die restliche Menge an erforderlicher Energie beispielsweise durch PV-Zellen erzeugt werden.

BREEAM

Abschließend wird ein BREEAM-Scan durchgeführt. BREEAM ist eine führende internationale Zertifizierungsmethode für nachhaltige Gebäude. Ein unabhängiges Institut prüft die Renovierung bezüglich verschiedener Aspekte. Diese Aspekte sind hier der Reihe nach aufgeführt:

  1. Management: Das Ziel ist, eine gute Gestaltung des Prozesses mit den richtigen Teilnehmern;
  2. Gesundheit: der Entwurf eines gesunden und komfortablen Gebäudes
  3. Energieverbrauch: das Ziel, Energie zu sparen und nachhaltig zu erzeugen
  4. Transport: Maßnahmen für öffentliche Verkehrsmittel, Fahrräder und Sicherheit in der Nähe des Gebäudes zum Parken
  5. Wasser: das Ziel, sparsam mit Trinkwasser umzugehen
  6. Material: nachhaltig hergestelltes Material, das robust und wiederverwertbar ist
  7. Abfall: Gibt es Recyclingmöglichkeiten?
  8. Landnutzung und Ökologie: Hat das Projekt einen großen „Fußabdruck“ oder werden Maßnahmen zur Naturkompensierung und Eingrenzung von Landnutzung ergriffen?
  9. Verschmutzung: Werden mögliche Verunreinigungen, wie durch Licht, Geräusche oder Kühlmittel vermieden?
< zürrück